01 Fine-Tuning: Das Verhalten eines KI-Sprachmodells anpassen
Beim Fine-Tuning wird ein bereits trainiertes KI-Sprachmodell mit zusätzlichen Trainingsdaten weiterentwickelt. Hierfür werden häufig sogenannte Input-Output-Paare verwendet. Das Modell erhält beispielsweise eine Frage und die dazugehörige gewünschte Antwort. Durch das Training lernt es, bei vergleichbaren Anfragen ähnliche Antworten zu generieren.
Ein typischer Anwendungsfall ist die Anpassung des Sprachstils. Unternehmen können ein KI-Modell beispielsweise darauf trainieren, Kundenanfragen in einer bestimmten Tonalität zu beantworten. Auch die Einhaltung bestimmter Antwortformate, Fachbegriffe oder Verhaltensweisen lässt sich durch Fine-Tuning verbessern.
Zwar kann ein Sprachmodell durch Fine-Tuning auch zusätzliches Fachwissen erlernen, für die Bereitstellung aktueller und präziser Unternehmensinformationen ist das Verfahren jedoch nur eingeschränkt geeignet. Die Informationen werden nicht als einzelne Dokumente hinterlegt, sondern verändern die internen Modellparameter. Dadurch lässt sich nicht zuverlässig sicherstellen, dass das Modell erlernte Fakten korrekt wiedergibt. Auch Halluzinationen werden durch Fine-Tuning nicht grundsätzlich verhindert.
02 RAG: Ein KI-Sprachmodell mit Unternehmenswissen versorgen
Retrieval Augmented Generation (RAG) verfolgt einen anderen Ansatz. Das bestehende Sprachmodell wird nicht zusätzlich trainiert, sondern erhält vor der Generierung einer Antwort relevante Informationen aus angebundenen Datenquellen.
Fragt ein Mitarbeiter beispielsweise „Wie hoch war unser Umsatz im vergangenen Monat?“, kann das RAG-System die entsprechenden Informationen aus einer angebundenen Datenbank abrufen und dem Sprachmodell als Kontext bereitstellen. Das Modell formuliert anschließend eine Antwort auf Basis dieser Informationen.
Das KI-Sprachmodell behält dabei grundsätzlich seine ursprünglichen sprachlichen Fähigkeiten und seinen Antwortstil. Anders als beim Fine-Tuning werden jedoch gezielt Informationen bereitgestellt, die dem Modell während seines ursprünglichen Trainings nicht bekannt waren.
Ein wesentlicher Vorteil ist die Aktualität. Werden beispielsweise neue Dokumente in SharePoint hinterlegt oder Umsatzzahlen im ERP-System aktualisiert, können diese Informationen bei entsprechender Anbindung direkt in zukünftigen Antworten berücksichtigt werden. Ein erneutes Training des Sprachmodells ist dafür nicht erforderlich.
Auch das Risiko von Halluzinationen lässt sich reduzieren, da die KI ihre Antworten auf konkrete Quellen stützen kann. Vollständig ausgeschlossen werden falsche Antworten dadurch allerdings nicht.