Was genau ist eigentlich SAP ERP?
Bevor wir über den Beruf reden, müssen wir kurz über das Produkt reden. Denn SAP ist nicht einfach „irgendeine Software" - es ist das Nervensystem der meisten Großunternehmen weltweit.
SAP SE, gegründet 1972 in Weinheim, ist heute der größte europäische Softwarekonzern und weltweit führend bei ERP-Systemen. ERP steht für Enterprise Resource Planning - also Software, die sämtliche Geschäftsprozesse eines Unternehmens steuert: Finanzbuchhaltung, Einkauf, Vertrieb, Produktion, Personalwesen, Lagerverwaltung. Alles in einem System.
Stell dir ein Unternehmen vor, das Industrieventile herstellt. Wenn ein Kunde eine Bestellung aufgibt, löst SAP automatisch eine Kettenreaktion aus: Der Auftrag wird im Vertriebsmodul erfasst, die Produktionsplanung reserviert Material, der Einkauf bestellt fehlende Rohstoffe, die Buchhaltung erstellt eine Ausgangsrechnung, und das Controlling verbucht die Marge. Früher brauchte man dafür fünf verschiedene Softwaresysteme und jede Menge manuelle Abstimmung. Mit SAP passiert das automatisch - und in Echtzeit.
Die aktuelle Generation heißt SAP S/4HANA und basiert auf einer In-Memory-Datenbank, die Daten um ein Vielfaches schneller verarbeitet als herkömmliche Systeme. S/4HANA kann auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen einbeziehen - ein Grund, warum sich die SAP-Welt und die KI-Welt zunehmend überschneiden.
Ein paar Zahlen, die verdeutlichen, warum SAP kein Nischenprodukt ist: 77 Prozent aller Geschäftstransaktionen weltweit laufen über ein SAP-System. 94 Prozent der 500 größten Unternehmen der Welt sind SAP-Kunden. Insgesamt nutzen über 400.000 Unternehmen SAP-Lösungen - vom Dax-Konzern bis zum spezialisierten Mittelständler mit 200 Mitarbeitenden.
Was macht ein SAP-Berater eigentlich den ganzen Tag?
Die Kurzfassung: Ein SAP-Berater sorgt dafür, dass die SAP-Software tatsächlich das tut, was das Unternehmen braucht. Das klingt simpel, ist es aber nicht.
Stell dir vor, du erbst ein Unternehmen. Die Prozesse sind über Jahre gewachsen, eingestaubt, festgefahren. Das ERP-System wurde irgendwann mal eingeführt, aber seitdem hat sich das Geschäft komplett verändert. Hier kommt der SAP-Berater ins Spiel: Er analysiert die Geschäftsprozesse, identifiziert wo das System bremst statt beschleunigt, und konfiguriert SAP so, dass es wie angegossen zum aktuellen Business passt.
Aber der Job geht weit über Analyse hinaus. Ich vergleiche den SAP-Berater gerne mit einem Architekten, der nicht nur den Plan zeichnet, sondern auch selbst mit anpackt:
- Prozessanalyse: Gemeinsam mit den Fachabteilungen die Geschäftsprozesse durchleuchten und Optimierungspotenziale identifizieren
- Systemkonfiguration: SAP an die konkreten Anforderungen des Unternehmens anpassen - Organisationsstrukturen, Stammdaten, Buchungslogiken
- Implementierung: Neue SAP-Module oder ganze S/4HANA-Systeme einführen, inklusive Datenmigration und Schnittstellen
- Schulung: Die Anwender fit machen im Umgang mit dem System - vom Buchhalter bis zum Vertriebsleiter
- Support: Nach dem Go-Live der Feuerwehrmann sein, wenn etwas nicht rund läuft, und das System kontinuierlich weiterentwickeln
Ein SAP-Berater arbeitet also permanent an der Schnittstelle zwischen IT und Fachbereich. Er muss betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und gleichzeitig wissen, wie man sie in SAP technisch abbildet. Genau diese Kombination macht den Beruf so anspruchsvoll - und so gut bezahlt.
Welche Arten von SAP-Beratern gibt es?
Nicht jeder SAP-Berater macht das Gleiche. Je nach Schwerpunkt unterscheidet man vier grundlegende Typen:
1. SAP-Funktionsberater (Functional Consultant)
Das ist die mit Abstand häufigste Rolle - und die, in der die meisten Quereinsteiger starten. Funktionsberater spezialisieren sich auf ein oder zwei SAP-Module (z.B. FI für Finanzwesen, CO für Controlling, MM für Materialwirtschaft) und konfigurieren das System nach den Anforderungen des Kunden. Sie sind die Übersetzer zwischen Fachbereich und IT: Der Buchhalter erklärt, was er braucht, und der Funktionsberater sorgt dafür, dass SAP es liefert.
2. SAP-Technischer Berater / Developer
Wenn die Standardkonfiguration nicht reicht, kommen die Entwickler ins Spiel. Sie programmieren in ABAP (SAPs eigener Programmiersprache) oder zunehmend in JavaScript und TypeScript (für SAP Fiori und UI5). Typische Aufgaben: individuelle Reports, Schnittstellen zu Drittsystemen, komplexe Erweiterungen der Standardfunktionalität.
3. SAP-Basisberater / Administrator
Basisberater kümmern sich um die technische Infrastruktur: Server, Datenbanken, Systemlandschaften, Berechtigungen, Transportwesen. Sie sorgen dafür, dass das SAP-System läuft, performt und sicher ist. Eine Rolle, die oft unterschätzt wird, aber unverzichtbar ist - vor allem bei Cloud-Migrationen und S/4HANA-Conversions.
4. SAP-Vertriebsberater (Presales)
Vertriebsberater müssen kein tiefes Modulwissen haben. Ihre Aufgabe: Kunden gewinnen und über die Vorteile einer SAP-Einführung oder -Migration aufklären. Sie erstellen Angebote, halten Präsentationen und begleiten den Vertriebsprozess. Eine gute Option für kommunikationsstarke Profile mit SAP-Grundwissen.
Warum sind SAP-Berater in 2026 so gefragt wie nie?
Die Nachfrage nach SAP-Beratern ist aktuell auf einem historischen Höchststand. Dafür gibt es drei Haupttreiber:
Die S/4HANA-Migrationswelle
SAP hat den Mainstream-Support für das alte ECC-System (SAP R/3 bzw. SAP ERP) auf 2027 terminiert. Das bedeutet: Zehntausende Unternehmen weltweit müssen bis dahin auf S/4HANA umsteigen, um weiterhin Support, Sicherheitsupdates und neue Features zu erhalten. In der Praxis haben viele Unternehmen die Migration jahrelang aufgeschoben - erst recht während der Corona-Krise. Das Ergebnis ist ein gewaltiger Projektstau, der sich jetzt entlädt.
Für SAP-Berater bedeutet das: Die Auftragsbücher sind voll. S/4HANA-Transformationsprojekte dauern je nach Unternehmensgröße 12 bis 36 Monate und erfordern Teams von 10 bis 100+ Beratern. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem.
Digitalisierungsdruck
Parallel zur Migration wollen viele Unternehmen ihre Geschäftsprozesse grundlegend modernisieren. S/4HANA bietet Möglichkeiten, die das alte System nicht hatte: Echtzeitanalysen, eingebettete KI, vereinfachte Datenmodelle. Aber diese Möglichkeiten nutzen sich nicht von allein - dafür braucht es Berater, die sowohl die alte als auch die neue Welt verstehen.
Fachkräftemangel treibt Gehälter
Das ökonomische Grundprinzip greift: Hohe Nachfrage bei knappem Angebot treibt den Preis. SAP-Berater mit S/4HANA-Erfahrung können Tagessätze von 1.200 bis 1.800 Euro aufrufen. Festangestellte mit fünf Jahren Erfahrung erreichen Jahresgehälter von 90.000 bis 120.000 Euro. Spezialisierte Nischen-Profile - etwa SAP IS-U für Energieversorger oder SAP TM für Logistik - liegen noch darüber.
Wer 2026 in die SAP-Beratung einsteigt, trifft auf einen Markt, der händeringend nach Verstärkung sucht. Die Einstiegshürden sind niedriger als viele denken - das Gehaltspotenzial höher als in den meisten vergleichbaren IT-Berufen.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die SAP-Beratung?
Die gute Nachricht: Man braucht kein Informatikstudium. Viele der besten SAP-Berater, die ich kenne, kommen aus BWL, Wirtschaftsinformatik, Ingenieurwesen oder sogar komplett fachfremden Richtungen. Was man wirklich braucht, sind drei Kerneigenschaften:
1. Verständnis für Geschäftsprozesse
SAP bildet reale Geschäftsprozesse ab. Wer nicht versteht, wie eine Rechnung gebucht wird, wie ein Produktionsauftrag funktioniert oder warum ein Unternehmen Kostenstellen hat, wird im SAP-Customizing schnell aufgeschmissen. Buchhalterisches Grundwissen ist besonders für die Module FI und CO quasi Pflicht.
2. Technisches Verständnis
Man muss nicht programmieren können (es sei denn, man will Developer werden). Aber man muss verstehen, wie ein ERP-System aufgebaut ist: Tabellen, Transaktionen, Konfigurationsebenen, Schnittstellen. Das lässt sich lernen - wichtig ist die Bereitschaft, sich in technische Details einzuarbeiten.
3. Kommunikationsfähigkeit
Das wird chronisch unterschätzt. Ein SAP-Berater verbringt mindestens die Hälfte seiner Zeit in Workshops, Abstimmungsterminen und Präsentationen. Man muss einem Finanzdirektor erklären können, warum seine gewünschte Buchungslogik technisch nicht sinnvoll ist - und gleichzeitig dem Entwicklerteam vermitteln, was der Fachbereich wirklich braucht. Wer das kann, ist Gold wert.
Die SAP-Module im Überblick
Das SAP-System ist in Module unterteilt, die jeweils einen Geschäftsbereich abdecken. Als Berater spezialisiert man sich typischerweise auf ein bis zwei Module:
- SAP FI - Finanzwesen (Hauptbuch, Debitoren, Kreditoren, Anlagen)
- SAP CO - Controlling (Kostenstellenrechnung, Profit Center, Ergebnisrechnung)
- SAP SD - Vertrieb (Aufträge, Lieferungen, Fakturierung)
- SAP MM - Materialwirtschaft (Einkauf, Bestandsführung, Rechnungsprüfung)
- SAP PP - Produktionsplanung (Fertigungsaufträge, Stücklisten, Arbeitspläne)
- SAP HCM/SuccessFactors - Personalwirtschaft
- SAP QM - Qualitätsmanagement
- SAP PS - Projektsystem
- SAP BW/4HANA - Business Warehouse / Data Analytics
Für den Einstieg empfehle ich FI und CO. Beide Module sind bei quasi jedem SAP-Kundenunternehmen im Einsatz und bilden die Herzkammer des ERP-Systems. Wer FI/CO beherrscht, hat immer Projekte.
Wie steige ich als Quereinsteiger in die SAP-Beratung ein?
Der Weg zum SAP-Berater ist kürzer als die meisten denken. Kein dreijähriges Studium, keine fünfjährige Ausbildung. Mit dem richtigen Plan kann man in sechs bis neun Monaten bereit sein für das erste Projekt. So funktioniert es:
Schritt 1: Das richtige Modul wählen
Wähl ein Modul, das zu deinem Hintergrund passt. Erfahrung in Buchhaltung oder Controlling? Dann FI oder CO. Logistik-Hintergrund? SD oder MM. Wenn du unsicher bist, starte mit FI/CO - das ist der universellste Einstieg und die Nachfrage ist riesig.
Schritt 2: Theoretisches Fundament aufbauen
Jedes SAP-Modul hat zwei Seiten: die Anwendersicht (was der Endnutzer sieht und macht) und die Customizing-Sicht (die technischen Einstellungen, die ein Berater vornimmt). Beides muss man verstehen.
Der Rheinwerk Verlag (SAP Press) hat sich als Standard für SAP-Literatur etabliert. Für FI empfehle ich zuerst ein Anwenderbuch, dann ein Customizing-Buch. Rechne mit zwei bis drei Monaten für diese Theoriephase, wenn du es ernsthaft betreibst.
Schritt 3: SAP-Zertifizierung ablegen
Nach der Theoriephase steht die Zertifizierung. SAP bietet für jedes Modul offizielle Zertifizierungsprüfungen an - online oder in einem Schulungszentrum. Die Prüfung ist anspruchsvoll (Durchfallquote liegt bei ca. 30 bis 40 Prozent beim ersten Versuch), aber machbar mit guter Vorbereitung.
Warum die Zertifizierung wichtig ist: Sie gilt im Markt als „Proof of Knowledge" und steigert deinen Marktwert spürbar. Die Anzahl zertifizierter Berater ist geringer als man denkt - wer die Prüfung besteht, hebt sich sofort von der Masse ab.
Schritt 4: Praktische Erfahrung in einer SAP-Beratung sammeln
Theorie allein reicht nicht. Der entscheidende Schritt ist der Einstieg in eine SAP-Beratung, wo du als Teil eines Projektteams echte Erfahrung sammelst. Auf realen S/4HANA-Transformationsprojekten bei DAX-Konzernen oder Mittelständlern lernst du in sechs Monaten mehr als in zwei Jahren Selbststudium.
Bei rwQUANTICAL unterstützen wir auch Quereinsteiger bei der Entwicklung zum SAP-Berater. Unsere Berater erhalten nach dem Einstieg eine strukturierte Theoriephase mit Mentoring durch erfahrene Senior-Berater, gefolgt von einer begleiteten Zertifizierungsvorbereitung. Danach geht es direkt auf Kundenprojekte - learning by doing, aber mit Netz und doppeltem Boden.
Was verdient ein SAP-Berater in 2026?
Das Thema, das alle interessiert. Die Zahlen variieren je nach Erfahrung, Modul und Region - aber die Tendenz ist eindeutig: SAP-Beratung gehört zu den am besten bezahlten IT-Berufen in Deutschland.
Festanstellung - Jahresgehälter
- Junior (0–2 Jahre): 50.000 bis 65.000 Euro
- Medior (2–5 Jahre): 65.000 bis 90.000 Euro
- Senior (5+ Jahre): 90.000 bis 120.000 Euro
- Lead/Partner-Level: 120.000 Euro aufwärts
Dazu kommen oft Firmenwagen, Bonuszahlungen und Weiterbildungsbudgets. In der Schweiz und Österreich liegen die Gehälter tendenziell noch höher.
Freiberuflich - Tagessätze
- Junior: 800 bis 1.000 Euro pro Tag
- Medior: 1.000 bis 1.400 Euro pro Tag
- Senior: 1.400 bis 1.800 Euro pro Tag
- Nischen-Spezialist (IS-U, TM, FI-CA): bis 2.000+ Euro pro Tag
Bei durchschnittlich 200 bis 220 Arbeitstagen pro Jahr kann ein erfahrener freiberuflicher SAP-Berater ein Jahreshonorar von 250.000 bis 350.000 Euro erzielen. Selbst nach Abzug von Steuern, Versicherungen und Rücklagen bleibt ein Nettoeinkommen, das deutlich über dem der meisten angestellten IT-Fachkräfte liegt.
FAQ: Was kosten SAP-Berater für Unternehmen?
Aus der Sicht des einkaufenden Unternehmens liegen die Stundensätze für externe SAP-Berater zwischen 110 und 200 Euro, abhängig von Erfahrung und Modulkomplexität. Seltene Spezialisierungen wie SAP IS-U (Energieversorger) oder SAP FI-CA (Vertragskontokorrent) können noch darüber liegen - schlicht weil es zu wenige Berater gibt.
Fazit: Lohnt sich der Einstieg in die SAP-Beratung noch?
Kurz und knapp: Absolut. Und zwar mehr denn je.
Die S/4HANA-Migrationswelle, die fortschreitende Digitalisierung und der chronische Fachkräftemangel schaffen ein Umfeld, in dem SAP-Berater zu den am stärksten nachgefragten IT-Spezialisten in der DACH-Region gehören. Die Einstiegshürden sind überschaubar, die Gehaltsperspektiven hervorragend, und die Jobsicherheit für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre ist so hoch wie in kaum einem anderen IT-Bereich.
Der Weg ist klar:
- Fokusmodul wählen (im Zweifel: FI/CO)
- Theoretisches Fundament aufbauen (2–3 Monate)
- SAP-Zertifizierung ablegen
- In einer Beratung praktische Erfahrung sammeln
- Kontinuierlich weiterlernen - der SAP-Kosmos ist riesig
Wer diesen Weg geht, investiert in eine Karriere, die auch in Zeiten von KI und Automatisierung Bestand hat. Denn SAP-Systeme werden nicht verschwinden - sie werden intelligenter. Und dafür braucht es Berater, die beides verstehen: das ERP-System und die Geschäftsprozesse dahinter.
Du interessierst dich für einen Einstieg in die SAP-Beratung bei rwQUANTICAL? Melde dich bei uns - wir freuen uns auf den Austausch.
